Aus der Frühzeit des Schachspiels


Inhalt:

Von Beginn an bis zum 30 -jährigen Krieg

Ist Indien das Ursprungsland?

Verbreitung des Schachs

Die Araber und das Spiel

Schachaufgaben: Das Matt der Dilaram

Erste Hinweise in Europa

Schach - ein Spiel für Könige und Ritter

Regeländerungen im 13. Jahrhundert

Der Dominikanermönch Jacobus Cessolis

Weiterhin nur Schachaufgaben überliefert

Die mittelalterliche Tabija

Wieder Regeländerungen, diesmal in ganz großer Form

Handschriften und erste gedruckte Schachwerke in der Übergangszeit

Erstes gedrucktes deutsches Schachbuch

Spanier und Italiener bestimmen das Schach

Gioacchino Greeo der Kalabrese 1600 -1634

Schachdorf Ströbeck

Quellenverzeichnis

 


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Von Beginn an bis zum 30 -jährigen Krieg

Über die Erfindung des Schachs gibt es - wie könnte es auch anders sein - keine verläßlichen Quellen. Mehr oder weniger fragliche Überlieferungen bringen Indien, China, Richtung der Römer, ja sogar Babylon und die alten Ägypter ins Gespräch.

Auch Hinweise auf Karl den Großen sind nur hypothetisch, ebenso solche auf die Kreuzritter. Sogar noch 1513 verlegte Hieronymus Vida "das Spiel" in seinem Gedicht "Scacchia Ludus" in die griechische Götterwelt.

 

Ist Indien das Ursprungsland?

 

Vielleicht scheint noch am zuverlässigsten die Legende vom Weizenkorn: Ein indischer König entfernte sich immer weiter von seinen Untertanen, despektierliche junge Leute würden heute sagen: „Er hob sich ab davon". Ohne seinen schrecklichen Zorn durch eine einfache Anrede herauszufordern - solche Herrscher sind ja meist auch sehr schnell in Rage zu bringen - versuchte es der weise Brahmane Sissa Ihn Dakir mit einem Spiel als Gleichnis. In demselben war der König wohl die wichtigste Figur, konnte aber ohne die Mithilfe seiner Untertanen nicht ausrichten. So ist es auch im Schachspiel: Der König alleine kann nichts mache ohne die Unterstützung seiner Figuren. Dieses Gleichnis leuchtete auch dem König ein, und er stellte den Weisen eine hohe Belohnung in Aussicht. Noch einmal bot sich Sissa Gelegenheit, das Gleichnis hervorzukehren. Er wünschte sich „nur" eine Menge Weizenkörner in folgender Auflistung: Auf das erste Feld auf dem Schachbrett l Korn legen, auf das zweite Feld 2 Kömer, auf das dritte Feld 4 Weizenkörner und so weiter und so fort. Immer auf jedes folgende Feld die doppelte Anzahl. Und wieder war der König über so einen - seiner Ansicht nach - kindischen Wunsch ungehalten. Doch auch Könige können sich täuschen. Schon bald mußte ihm sein Verwalterder Kornkammern mitteilen, daß es viel Weizen im ganzen Land nicht gebe! Wieder einmal war der König von diesem Gleichnis überrascht, und er blieb fortan ein Herrscher, wie ihn sich das Volk wünschte.

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Wäre das nicht auch ein schönes Märchen für die heutige Zeit, ach ja wir schreiben uns 2001! Die Zahl darf natürlich nicht unerwähnt bleiben: 18 446 744 073 709 551 615 Körner, odernach heutiger Rechnung . Spätere Nachforschungen ergaben als reproduzierbareZahl 922 337 203 685 Kubikmeter Weizen

Auf der Geschichte beruhend bleibt als wahrscheinlichstes Erfindungsland Indien , wo das Schachspiel so ca. 570 n. Chr. erfunden wurde?!

Bestärkt wird diese Meinung noch durch Verszeilen des indischen Dichters Bana. der von 606 bis 647 lebte. Das veranlaßt anzunehmen, daß es Schach in Indien schon vor der Zeit dieses Dichters gegeben haben sollte Auch hieß das Spiel dort „Tschaturanga", das Vierteilige. So orientiert nach dem vierteiligen indischen Heer, bestehend aus Elefanten, Kampfwagen, Reiterei und Fußvolk, sowie ihren Anführer, dem König. Und obwohl Schach mehr auf ein Kriegsspiel hindeutet, so war es doch in Indien als friedlicher Wettstreit gedacht: Im Zeichen des Buddhismus, der Krieg in jeder Form ablehnt. Dieser Meinung von der Erfindung des Schachs in Indien schlössen sich die meisten
Schachhistoriker an, unter ihnen die Kapazitäten Harald J.R.Murray und der Deutsche Tassilo v. d. Lasa. Ebenso hartnäckig trat der Jugoslave Pavle Bidev für China als Ursprungsland ein, hatte aber nur wenige Anhänger.

Verbreitung des Schachs

„Tschaturanga" breitete sich von Indien ausgehend in zwei Richtungen aus. Eine nahm den Weg nach China, wo die Spielwiese jedoch eine andere Form annahm. Wahrscheinlich die wichtigere führte nach Persien. Indische Abgesandte brachten -Schach- an den persischen Königshof, wo sie dieses Spiel als äußerst rätselhaft anpriesen. Der persische Dichter Firdausi (932 -1020) schilderte später im Buch über die persischen Könige die Einführung des Schachs am persischen Hof.

Die Araber und das Spiel

Mitte des 7. Jahrhunderts eroberten die Araber des persische Reich, und dieses geheimnisvolle Spiel als Zugabe. Sie brachten das Schach schon im 8. Jahrhundert auf ihren Eroberungszügen nach Sizilien, Sardinien, Nordafrika und ganz besonders nach Spanien. Die erste Blütezeit erlebte das Schach in der arabischen Welt um 850 - 1500, damit das Mittelalter mächtig beeinflussend

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Das arabische Schach entsprach orientalischer Denkweise : Die Figuren waren langsam, denn es zogen nur König, Turm und Springer nach heutiger Gangart. Dame und Läufer waren direkt schrecklich langweilig, und auch die Bauern konnten noch keine zwei Felder von der Grundstellung aus ziehen.

Schachaufgaben: Das Matt der Dilaram

Partien aus dieser Zeit sind kaum überliefert, weil die Figuren so ziemlich unbeweglich waren. Bekannt sind aus dieser Phase fast nur ausschließlich Probleme. Das sind künstlich erdichtete Schachrätsel. Das bekannteste davon ist die Mansube der Dilaram:

 

Das Matt der Dilaram Weiß am Zuge gewinnt:

1. Th8+ Kh8:  2. Lf5+ Kg8

3. Th8+ Kh8:  4. g7+ Kg8

5.Sh6 matt

Man beachte die gewisse Gangart mancher Figuren. Lh3 war der damalige Alfil, der nur in das übernächste Feld ziehen, und auch hüpfen, konnte. Er beherrschte auch das übernächste Feld! Dieses Diagramm wird mit folgender netten Story umrankt: Ein hoher arabischer Würdenträger hatte dabei - lt. Überlieferung - seine Frau als Pfand gesetzt. „Die Dilaram" konnte wahrscheinlich besser Schach spielen als die hohen Herren, denn sie rief ihrem Gebieter zu: „Herr, opfere deine beiden Türme, und nicht Dein Weib". So wie in der Lösung passiert, die von der damaligen Gewohnheit des Läuferzuges (Alfil) profitierte. Hinsichtlich des Überganges im Schach auf den christlichen Okzident glaubte man auch, daß die Kreuzfahrer (-ritter) dasselbe vermittelt hätten. Doch auch das stimmte nicht.

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Erste Hinweise in Europa

Erste Dokumente in Verbindung mit einem europäischen Schach gehen zurück auf das Jahr 1010. In einem Testament vermachte ein hoher Herr wertvolle Schachfiguren aus Kristall. Die Verfugungen sind von einem spanischen Grafen von Urgel, und der Witwe seines älteren Bruders in Barcelona, ausgestellt. Die Schrift war einsehbar im Aragonischen Archiv zu Barcelona. In Deutschland verfaßte so um 1050 ein unbekannter Mönch aus dem Kloster Tegernsee die lateinisch abgefaßte "Ruodlieb - Dichtung", auf 34+2 Pergamentblättern. Eine Schachstelle erzählt über einen Besuch in einem Königslager mit Wettkämpfen. Aus dem Jahre 1061 ist in Italien auch ein Brief des Kardinals Damiani an den Papst bekannt. Er schwärzte darin einen schachspielenden Bischof an, den er auch verwarnt und mit Buße belegt habe. Die ablehnende Haltung der Kirche dem Schach gegenüber führte im 13. Jahrhundert mehrfach zum Verbot desselben. Doch es wird mehr dem Glücksspiel halber gewesen sein, wo Schach mit Würfeln und dabei hohen Einsätzen gespielt wurde! Mit zunehmender Dauer änderte sich jedoch die Haltung der Kirche vollständig, und sie förderte es sogar in den Klöstern.

Schach - ein Spiel für Könige und Ritter

Das Schach entwickelte sich im Mittelalter zu einem Königsspiel, denn Schach wurde hauptsächlich in adeligen Kreisen gespielt. Zu den sieben Künsten, die ein Ritter beherrschen mußte, gehörte auch das Schachspiel!

Regeländerungen im 13. Jahrhundert

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurden plötzlich Regeländerungen lauf, die das Schach mehr der abendländischen - damals auch schon mehr hektischeren - Hinstellung anpaßten: Der Doppelschritt des Bauern wurde eingeführt, der Alfil wird in der Gangart zum Läufer.

Der Dominikanermönch Jacobus Cessolis

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Im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts schuf der Dominikanermönch Jacobus Cessolis ein Schriftwerk, das über seine allegorische Deutung des Schachspiels berichtete: "Liber de moribus hominum et officiis nobilum super ludo saccorum." In Predigten nahm der Autor die Schachfiguren als Vergleich zu den einzelnen Ständen im normalen Leben her, „um den Menschen die Pflichten der Vornehmen und der Niederen darin zu verdeutlichen".

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Die höherwertigen Figuren galten dabei als König, Königin, Richter, Statthalter (Turm), die Bauern als die Gemeinen und das unedle Volk. Über 200 Handschriften und vier Wiegendrucke sind von diesem Werk noch übriggeblieben, das zu seiner Zeit als wichtigstes Werk nach der Bibel galt. Cessolis berichtete in Kapitel l auch vom Ursprung des Spiels, das er falsch nach Babylon einordnete, obwohl sich seine Geschichte dazu zwischen dem bösen König Evilmerodach und dem Weisen Xerxes ähnlich wie die aus Indien anhört. Seine Hauptsache waren eben doch die Predigte Die ersten vier poetischen deutschen Bearbeitungen des Cessolis sind: Ammenhausen 1337, Meister Stephan ebenfalls 14. Jahrhundert, vom Pfarrer von dem Hechte 1355, von Beringen 1438. Sie bekunden die große Beliebtheit von Cessolis in Deutschland. Die Epoche der deutschen Schachzabelbücher (das sind die moralisierenden Traktate) fand mit „Das Guldin Spil" von Meister Ingold seinen Abschluß. Traktat von Alfons dem Weisen 1283 1283 erschien in Spanien auf Geheiß König Alfons X. - König von Kastilien - ein Schachwerk von bisher höchster Bedeutung. Es ist die bisher älteste europäische Sammlung von Endspielen. Die Araber waren da wohl schon früher dran, und sind mit Problemen von ihnen im Alfonso - Werk ebenso vertreten! Das wunderschöne Pergament mit dem Titel

„Libro de acedrex dados y tablas" beinhaltete die bis zu diesem Zeitpunkt exakteste Beschreibung des Schachspiels, sowie 103 Endspielprobleme . Die Mischung Orient: Occident dokumentiert das friedliche und produktive Nebeneinander zweier Weltkulturen. Nur ein einziges Exemplar existiert noch davon in der berühmten Bibliothek Escorial zu Madrid. Man kann die Ausgaben von Cessolis, sowie von Alfons X., als den Beginn der europäischen Schachliteratur ansehen, obwohl Cessolis nur moralisierenden Zwecken diente.

Weiterhin nur Schachaufgaben überliefert

Auch die weiteren Pergamente verkünden von Schachaufgaben:

„Bonus Socius" Anfang des 14. Jahrhunderts mit guten 200 Problemen, sowie "Civis Bononiae" zwischen 1400 - 1450. Diese Sammlung mit ungefähr je 300 Problemen, das Modena - Manuskript hat sogar deren 500! Bisher sind aus Überlieferungen fast nur Schachaufgaben bekannt. Durch die betonteLangsamkeit der arabischen Figuren rentierte es sich nicht, Partien weiterzugeben.

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Die mittelalterliche Tabija

Aus dem arabischen Schach heraus baute man sogar Stellungen mit Vorgaben auf, damit die Heere schneller in Feindberührung kamen. Eine solche „Tabija" war wahrscheinlich das allererste Eröffnungs - Strickmuster. Vielleicht ist es sogar so zu deuten, daß es als Vorläufer der heutigen Eröffnungstheorie angesehen werden kann. Eine solche mittelalterliche Tabija im Diagramm:

Tabija von 13 beiderseits gleichen Zügen (nach v.d. Lasa 1897)

 

Wieder Regeländerungen, diesmal in ganz großer Form

Weitere Regeländerungen Ende des 15. Jahrhunderts nahmen diesmal größten Einfluß auf das Spiel:

Die Dame, bis dahin „eine langsame alte Tante", wurde die mächtigste Figur auf dem Schachbrett. Selbstverständlich blieb der König immer noch die wichtigste, denn mit dem Matt des Königs ist eben eine Schachpartie beendet. Auch die Rochade setzte sich nach vielen Einstandsschwierigkeiten durch, besonders die Italiener hatten lange eigene Formen. Die Entdecker dieser neuen heutigen Form blieben ebenso unbekannt, wie die Erfinder des Schachspiels. Angenommen wird, daß diese neuen Gangarten auch von Spanien kamen.

 Im ausklingenden Mittelalter fand 1467 das erste deutsche Schachturnier statt, veranstaltet von der Heidelberger Gesellschaft des Schachzabelspiels. Dasselbe ist sogar urkundlich belegt! Ein zweites Turnier folgte 10 Jahre später - 1477 - in Nürnberg. Die Regeländerungen gehen konform mit der Unruhe der Geister jener Epoche im zu Ende gehenden Mittelalter: Wie überhaupt Schach nicht von den anderen Kulturgütern zu trennen ist.

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Handschriften und erste gedruckte Schachwerke in der Übergangszeit

Ende des 15. Jahrhunderts begann die Zeit der ersten gedruckten Schachwerke. 1495 erschien das erste gedruckte Bändchen mit dem Titel "Libre dels Jochs partits dels Schachs en nombre da 100 ordenat e compost" von Francesch Vicent. Es wird inhaltlich aus Problemen bestanden haben. Das kleine Werk wurde noch im Kloster Monserrate bei Barcelona gesehen, ist jedoch seit der Zerstörung der Bibliothek in den Kriegswirren nicht mehr auffindbar. Es ist das einzige gedruckte Schachbuch, von dem auch nicht ein einziges Exemplar mehr existiert. Für Historiker wäre es wegen der Umstellung alter zu neuer Gangartder Figuren hochinteressant!

1497 erschien Lucenas „Repeticion de amores e arte de axedres con CL iuegos de partides". Das Werk figuriert seit der Unauffindbarkeit von Vicent als erstes gedrucktes Schachbuch. Es beinhaltet Spielregeln, Eröffnungen, und hauptsächlich 150 Endspiele. Die Lösungen sind teils nach alter und neuer Gangart der Steine bekanntgemacht.

Der Übergangsperiode wird auch noch die Göttinger Handschrift zugerechnet. Der Quartband von 33 Blatt enthält auf 15 Seiten Spielanfänge, und auf ebenfalls 15 Blättern Probleme. Viel schon in neuer Gangart! Dieser Handschrift wird auch die Überlieferung der ersten kompletten Schachpartie der Neuzeit zugeschrieben! Die Schrift muß dem
französischen Sprachkreis zugesprochen werden. 1512 erschien das Werk des portugiesischen Apothekers Damiano, gedruckt in Rom in italienischer Sprache. Es beinhaltet Aufgaben, die auch bei Lucena schon vorkommen, und hat neben Eröffnungen auch noch allgemeine Verhaltensregeln für Schachspieler.

Die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts war noch einmal eine große Überraschung. Wenige literarische Erzeugnisse aus alter Zeit haben so viele Wiederholungen erfahren, wie die dichterischen Arbeiten des ca. 1490 zu Cremona geborenen Hieronymus Vida Er starb 1566 als Bischof von Alba. Sein 1513 verfaßtes Schachgedicht., Scacchia Ludus" kam bei den damaligen Päpsten in Rom gut an, obwohl er - noch um diese Zeit - die Erfindung des Schachs in die griechische Götterwelt stellte. Er zitiert dabei eine Partie zwischen Apollo und Merkur!

1561 vermehrte Ruy Lopez die Reihe der ersten Schachwerke durch sein "Libro de la invencion liberal y arte del Juego del Axedrex". Nach dem deutschen Historiker v. d. Lasa ist es das erste Lehrbuch des Schachs, das nach neuzeitlichen Maßstäben anzusehen ist. Dieses bisher bedeutsamste Schachwerk übersetzte 1584 der Italiener Tarsia in die Sprache seines Landes, wo es der deutsche Autor Gustavus Selenus kennenlernte

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Erstes gedrucktes deutsches Schachbuch

Der deutsche Herzog August II. von Braunschweig - Lüneburg schrieb 1616/17 das erste deutsche Schachbuch mit dem Titel "Das Schach oder König-Spiel von Gustavo Seleno: In vier unterschiedliche Bücher mit besonderem Fleiß / gründ- und ordentlich abgefaßt" Den Hauptteil des großen Werkes nimmt allerdings auf den Seiten 174 - 424 die Übersetzung des Lopez - Buches ins Deutsche ein.

Spanier und Italiener bestimmen das Schach

Im 16. und 17. Jahrhundert bestimmen die Spanier und Italiener die Schachszene. So um 1560 machte der Spanier Ruy Lopez eine Schachreise nach Italien , und besiegte dort alle führenden Meister. Das ließ diese aber nicht mehr ruhen, und es wurde Revanche so um die Zeit von 1575 anberaumt. Die Italiener Paolo Boi und Giovanni Leonardo - letzterer auch bekannt wegen seiner Gestalt als II Puttino (der Kleine). Als Begleiter und Cheftheoretiker
figurierte Giulio C. Polerio, der seinen Kollegen spielerisch in nichts nachstand. Am Hofe von Philipp II. gelang den Italienern die große Revanche gegen Ruy Lopez und Alfonso Ceron.

Eine Komposition von Polerio so um 1590.

Weiß am Zuge gewinnt: l.Th1! Khl: 2.Kf2! b5 3.ab5: a4 4.b6 a3 5.b7 a2 6.b8Dame al Dame 7.Db7+ und gewinnt.

Eine Partie Polerios so auch um diese Zeit: Polerio - Domenico Zweispringerspiel
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4. Sg5 d5 5. ed5: Sd5: (?) 6. Sf7:! Kf7: 7. Df3+ Ke6 8. Sc3 Se7 9.d4 c6 10. Lg5 h6 11.Le7: Le7: 12. 0-0-0 ( Rochade) Tf8 13.De4 Tf2:? 14. De5: Lg5+ 15. Kbl Td2 16. h4 Tdl: 17. Tdl: Lh4: 18. Sd5: cd5: 19. Td5: Dg5 20. Td6+ Ke7 21. Tg6 und Schwarz gibt auf.

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Gioacchino Greeo der Kalabrese 1600 -1634

Der herausragende italienische Meister des anfänglichen 17. Jahrhunderts war jedoch der Kalabrese Gioaccbino Greco (1600 - 1634). Greco würde man heutzutage als Globetrotter einstufen, nur konnte er damals nicht so schnell denn heute sein. Er lebte viel in Nachbarländern Italiens, und war sogar längere Zeit am Hofe Philipp des IV. als Schachlehrer. Er starb schon 1634 in Westindien.

Erst nach seinem Tode haben die Zeitgenossen seine Partien herausgebracht. Wenn man einen ersten inoffiziellen Weltmeister ins Gespräch bringen will, so kann es nur Greco sein. In seinen Partien verblüffte er seine Gegner mit Opfern, Fallen und Serien von Einfallen. Verkehrt wäre es auch nicht zu sagen, daß er seinen Gegnern weit überlegen war. Er gilt auch heute noch als der Erfinder der taktischen Möglichkeit „Läuferopfer auf h7 (h2)" Eine Greco Partie gegen (natürlich) N N um 1620:

Weiß: Greco Schwarz: N N Italienische Partie

1.e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Lc5 4. c3 Sf6 5. d4 ed4 6. cd4: Lb4+ 7. Sc3 (Noch jetzt als Greco Variante geläufig) 7. ...Se4: 8. 0-0 Sc3: 9. bc3: Lc3: 10. Db3 Lal: 11. Lf7:+ Kf8 12. Lg5 Se7 13. Se5 Ld4: 14. Lg6 d5 15. Df3+ Lf5 16. Lf5: Le5: 17. Le6+ Lf6 18. Lf6: gf6: 19. Df6:+ Ke8 20. Df7 matt.

Die stürmische Entwicklung des Schachs im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts wurde dann entscheidend durch den 30 - jährigen Krieg beeinflußt. Es dauerte 100 - 150 Jahre, bis mit den drei Modenesen und Philidor wieder neue große Meister die Szene betraten.

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Anhang:

Schachdorf Ströbeck

Ein Phänomen ist das Schachdorf Ströbeck bei Halberstadt. Wie kam das Schachspiel eigentlich dorthin? Selbst dazu gibt es drei Versionen. Welche wollen wir nehmen? Am besten vielleicht diese:

 Bischof Arnulph von Halberstadt bekam im Jahre 1011 von Kaiser Heinrich II. einen vornehmen Gefangenen, den Grafen Guncellin, überliefert. Der Bischof dachte bei der Unterbringung an Ströbeck, und der edle Gefangene wurde „im alten Thurm zu Stöpke" (so die damalige Leseart) untergebracht. Die Bauern mußten ihn feste bewachen. Und nachdem die Behandlung durch die Bauern sehr human war, lernte der hohe Herr seinen Bewachern das Schachspiel. Figuren und Brett wurden von Guncellin dafür angefertigt.

Und die Bauern spielten auch nach der Freilassung des Grafen weiter und weiter,... Ströbecks große Schachzeit kam allerdings nach dem 30-jährigen Krieg, als alles im Argen war. Vieles zerstört, die Bauern durch Reparationen völlig ausgequetscht. 1650 besuchte der Große Kurfürst Halberstadt, die Ströbecker schenkten als Nachbarn schon seit dem Mittelalter ihrem jeweiligen Landesherren bei seinem Amtsantritt ein silbernes Schachspiel. So auch diesmal! Das mußte Kurfürst Friedrich Wilhelm schon imponiert haben, denn ein Jahr später besuchte er den Landflecken Ströpke und schenkte den verarmten Bauern nun seinerseits silberne Schachfiguren nebst kunstvollem Schachbrett. Dazu noch merkliche Erleichterungen hinsichtlich aller Abgaben. Und die Bauern spielten weiter Schach, oft auch nach Einleitung mit der "Ströbecker Partie". Einem Beginn in der Verwandtschaft zu den alten Tabijen.

Und wieder nahte ein sehr hoher Besuch. Im Jahre 1773 passierte Friedrich der Große auf der Reise von Halberstadt nach Gosslar das Schachdorf: Er hatte davon gehört, und wollte partout die Bauern prüfen. Nach den üblichen Anstandspartien gegenüber Gästen, triumphierte der Dorfschulze sogar über dem so hohen Besuch. Eine besondere Attraktion in Ströbeck ist das Spiel mit lebenden Figuren. Hier ersetzen Menschen die leblosen Holzfiguren, die in einer Schachpartie Aufsehen damit erregen. Diese Schachart wurde in Ströbeck schon 1688 eingeführt, und feierte 1989 sein 300-jähriges Jubiläum.

Auch gehen die Kinder schon seit 1823 mit dem Schachbrett zur Schule, wo doch vieles anders ist, als denn überall: Es gibt dort einen „Gasthof zum Schachspiel", einen „Platz zum Schachspiel" und auch seit 1991 ein Schachmuseum. Ebenso seit 1992 das neue Ortsschild„Schachdorf Ströbeck, Landkreis Halberstadt".

1940 drehte die damalige UFA - Gesellschaft den Film „Das Schachdorf" in der Reihe ihrer Kulturfilme. Der 12-minütige Streifen kam gut an.

Die Schule in Ströbeck hat seit 1986 die Bezeichnung „Dr. Emanuel-Lasker-Schule" und erinnert damit an den bisher einzigen deutschen Schachweltmeister. Dr. Lasker war Champion von 1894-1921.

Wie tragen uns in der Hoffnung, daß das Schach in Ströbeck noch lange in der bisherigen Form Bestand hat.
 

Georg Böller

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Quellenverzeichnis

T. von der Lasa - Zur Geschichte und Literatur des Schachspiels 1897

Pergament aus dem Jahre 1458 - Das Schachbuch des Jacobus de Cessolis. Reprint des Belser-Verlages in Zürich im Jahre 1988 aus dem Pergament der Biblioteca Apostolica Vaticana
 

Autorenteam -Bonus Socius erschienen in der Königlichen Bibliothek zu den Haag aus Anlass des 75. Geburtstages von Dr. Meindert Niemeijer am 18.02.1977.

Georg Böller - Schachgeschichte - Manuskript von G.B.

Silbermann/Unzicker - Geschichte des Schachs 1975

Ludwig Bachmann - Das Schachspiel und seine historische Entwicklung 1923

Antonius van der Linde - Quellenstudien zur Geschichte des Schachspiels 1881

Klaus Lindörfer - Großes Schachlexikon 1977

Manfred van Fondern - Lexikon für Schachfreunde 1980

Otto Borik/Joachim Petzoldu.a. - Meyers Schachlexikon 1993

Isaak und Wladimir Linder - SCHACH Das Lexikon 1996

David Hooper undKenneth Whyld- The Oxford Companion to Chess 1988 (engl.)

 

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